Orkhetzer

 

 

Das schwarze Schwert des Baron von Steerhagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orkhetzer war lange Zeit fast vergessen. Niemand erzählte mehr die Geschichten, die sich um die schwarze Klinge rankten. Berühmtere Waffen, wie die sagenumwobene Axt Sternenschweif waren die Themen an den Lagerfeuern und in den Tavernen.

 

Die Erschaffung

Das schwarze Schwert wurde von dem zwergischen Schmiede-Meister Gralosch Feuerbart 599 in Lowangen geschmiedet. Zu dieser Zeit belagerten die Orks schon über sechs Götternamen die Stadt und brachten Tod, Leid und  Verzweiflung über die Stadt und das umliegende Land. Unzählige Menschen starben, Lowangen hat den Orkhorden nicht viel entgegen zu setzen.

In den Mauern der Stadt sammelten sich die kampfwilligen Männer: Zwerge und Menschen wollten Seite an Seite gegen die Schwarzpelze kämpfen. Einige wenige Ausfälle der Lowanger sind von Erfolg gekrönt, doch immerhin hat sich ein Mann besonders hervorgetan:  Gerhard Arnoldus Barkov.  Durch Mut, Führungsqualitäten, Kampfgeist und taktisches Geschick verstand es Barkov immer wieder, die erschöpften Männer begeistert in den Kampf zu führen.

Tief beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Mann beschlossen die Zwerge, dem Anführer der Lowanger Kämpfer ein wahrhaft nützliches Geschenk zu machen. Drei der besten Schmiede des kleinen Volkes begannen, eine besondere Klinge zu schmieden. Zwei Zauberer der Zwerge unterstützten sie dabei. Mit jedem Hammerschlag, der den Amboß erklingen ließ, wurden Sprüche von tiefer Kraft in die Klinge geschmiedet. Dieses Schwert sollte die ultimative Waffe gegen die verhassten Orks werden.  Die silbern strahlende Klinge wurde immer wieder bis zur Weißglut erhitzt und im Blut gefangener Orks abgeschreckt. Mit jedem Mal, da sich dieser schreckliche Vorgang wiederholte, wurde die Klinge dunkler, verlor ihren silbernen Glanz und färbte sich langsam schwarz. Nach vier Tagen und drei Nächten war das Werk vollbracht. Stolz brachten die Zwerge das dunkle Schwert Gerhard Arnoldus Barkov als Geschenk.  Barkov war von Stolz und Dankbarkeit erfüllt. Die einfache und doch herrliche Waffe schmiegte sich in seine Hand, als sei sie im angepasst worden. Die Zwerge verrieten Barkov keines der Geheimnisse, außer dass diesem Schwert kein Ork, überhaupt nichts Böses widerstehen könne. Die Klinge wird niemals ihre Schärfe verlieren und niemals zerbrechen. Den Rest müsse er selber erfahren. Genau das hatte Brakov vor. Zwei Tage später versammelte er die Männer um sich und zeigte ihnen das schwarze Schwert. Er taufte die Klinge „Orkhetzer“ und führte die Männer mit in den Himmel gestreckter Waffe in den Kampf.

Als sie auf die ersten Orkhaufen trafen, schien das schwarze Schwert sich in seiner Faust zu verändern. Barkov spürte das Gewicht des Schwertes nicht mehr, es ließ sich führen, als bewege er den bloßen Arm.  „Orkhetzer“ schien jeden Schwarzpelz anzuspringen, fraß sich förmlich durch die Körper der Feinde. Rüstungen, Waffen oder Schilde konnten die Klinge nicht aufhalten. Barkov schlug sich mit der magischen Klinge durch seine Feinde, wie durch einen Haufen Strohpuppen. Die Männer jubelten. Langsam begriffen die Orks, dass sie dem Mann mit dem schwarzen Schwert nicht widerstehen konnten. Die Lowanger fielen, von neuem wilden Mut erfüllt, über die verunsicherten Orks her und trieben sie nach kurzer Zeit in kopfloser Flucht vor sich her. Barkov hatte mit dem Geschenk der Zwerge die erste entscheidende Schlacht seit sieben Götternamen geschlagen.

Unter Führung von Gerhard Arnoldus führten die Lowanger immer häufiger erfolgreiche Ausfälle gegen die Orks. Trotz allem dauerte es noch vier weitere Götternamen, bis sich die Schwarzpelze zurück zogen und das verwüstete und ausgeblutete Land rund um Lowangen verließen.

 

Der Verlust

Die Orks waren noch nicht ganz abgezogen, als die Lowanger beschlossen, sich für die ein Jahr dauernde Schmach und Demütigung zu rächen. Unter dem Kommando von Barkov sollte eine ausgewählte Schar erfahrener Kämpfer die abziehenden Orks verfolgen und den Kriegshäuptling der Horde töten. Sein Kopf sollte das Lowanger Haupttor schmücken.

Gerhard Arnoldus wählte seine Männer mit Bedacht. Wohl wissend, wie gefährlich sein Auftrag war, bereitete er sich und die Männer bestmöglich auf die Aufgabe vor. Alle waren erfahrene Jäger und Kämpfer. Sie beschlossen, meist nachts zu reiten und sich möglichst nah an das Lager der Orks heranzuschleichen. In einem schnellen Handstreich wollten sie des Nachts dort eindringen und den Häuptling um seinen Kopf erleichtern. Ungesehen verschwinden und schnellstens nach Lowangen zurückzukehren stellte den schwierigen Abschluss dar.

Barkov und seine Männer machten sich auf die gefahrvolle Reise. In Lowangen wartete man lange Zeit auf seine Rückkehr und das Haupt des Häuptlings. Doch weder Gerhard Arnoldus Barkov noch einer seiner Männer wurde jemals wieder gesehen. Schwer bewaffnete Suchtrupps fanden einige niedergemachte Gruppen von Orks, doch keine Spur von Barkovs Gruppe. Keine Toten, kein Grab, keine Knochen. Die Männer schienen vom Erdboden verschluckt. Und mit ihnen das schwarze Schwert „Orkhetzer“.

 

Der Fund

Eine bunt gemischte Gruppe Abenteurer  -  ein Krieger und eine Kriegerin aus dem Mittelreich, eine Novadi, ein Thorwaler und ein Zwerg  - durchstreiften die östlichen Ausläufer des Orklandes. In einer längst vergessenen Siedlung trafen sie auf Reste menschlicher Zivilisation in Form von gescheiterten Abenteurern, Dieben und Gesindel jeder Art, wie es noch nicht einmal in Phexcaer oder Al´Anfa geduldet würde. Schnell versorgten sich die Fünf mit dem nötigsten Proviant und wollten weiterziehen, als die Siedlung von marodieren Orks angegriffen wurde. Schulter an Schulter kämpften die Fünf mit den Bewohnern der Siedlung. Schnell fiel den Abenteurern ein Mann auf, der durch seine Brutalität aus der Masse der Kämpfer heraus stach. Mit sichtlichem Vergnügen schlachtete der Mann seine Gegner auf sadistische Weise mit einem dunklen Schwert ab. Der Krieger der Gruppe ging den Mann deswegen in einer der wenigen Kampfpausen an und geriet fürchterlich mit ihm aneinander. Die Freunde mussten dazwischen gehen, um zu verhindern, dass die Klingen gezogen wurden. Bei den weiteren Kämpfen drängte sich der Mann in die Nähe des Kriegers und verfiel in einen wahren Blutrausch. Der Mann kämpfte nicht einfach, sinnlose Quälerei und bestialisches Abschlachten waren alles was er tat.

Der Angriff war abgeschlagen, die Kämpfe vorbei. Die Siedler versorgten ihre Wunden und begruben ihre Toten. Der Krieger stampfte voller Wut durch die Siedlung und suchte den Mann mit dem dunklen Schwert. Es dauerte nicht lange und er hatte ihn gefunden. In kürzester Zeit hatte sich der Mann hoffnungslos betrunken. Dumpf stierte er den Krieger an. Der Mittelreicher gab seinen Vorsatz auf, den Schlächter zur Rede zu stellen. Er wandte sich zum gehen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Der Betrunkene erinnerte sich der scharfen Worte des Kriegers und verlangte stammelnd Genugtuung. Der Krieger streifte die Hand des Mannes verächtlich von seiner Schulter und wandte sich erneut zum Gehen. Doch diesmal war es keine Hand auf seiner Schulter, die ihn herumfahren ließ, sondern das Geräusch von Stahl auf Leder. Der Krieger wirbelte herum und zog noch in der Bewegung sein Schwert. Ohne große Anstrengung parierte er die betrunkene Attacke des Mannes. Doch immer wilder und ungestümer schlug der Mann auf den Krieger ein. Langsam gewann die Wut und die Erinnerung an die Greueltaten des Mannes die Oberhand über den Krieger und er begann, den Kampf ernsthaft zu führen. Eine verpatzte Parade besiegelte das Schicksal des Schlächters. Das Schwert des Kriegers drang tief in die Brust des Mannes und warf in zu Boden. Der Krieger packte den Mann am Wams und zog ihn zu sich hoch. Die ritterlichen Tugenden siegten über Zorn und Wut, und so schaffte er den Verletzten zu dem Heiler der Siedlung. Doch sein Leben neigte sich dem Ende. Im Angesicht des Todes verwandelte sich der Schlächter in einen wimmernden Feigling. Stammelnd, von Fieber geschüttelt, erflehte er die Verzeihung der Götter, zählte seine Verfehlungen auf. So erst erfuhr der Krieger, was es mit der schwarzen Klinge auf sich hatte. Der Mann hatte sie von einem verwundeten Ork im Tausch für sein Leben erhalten. Der Ork pries die Waffe als kostbaren Schatz an, der seit fünfhundert Götterläufen im Besitz der Orks ist und erzählte „Orkhetzers“ Geschichte. Der Mann ließ sich das Versteck  der Waffe beschreiben und nahm sie an sich. Dann tötete er den Ork. Der Krieger war erschüttert, dies alles zu hören. Als der Mann auf dem Lager seinen letzten Atemzug getan hatte, nahm er das schwarze Schwert an sich.

So kam „Orkhetzer“ in den Besitz von Baron Bogumir von Steerhagen. Als der junge Baron wenige Götterläufe später in der Halle des Hexenmeisters sein Schicksal fand, brachten seine Gefährten die schwarze Klinge nach Steerhagen und übergaben sie wie versprochen an Bogumirs jüngeren Bruder.